Tagebuch

(von Grit Ruhland)

Die ganze Aktion hatte eine Vorlaufphase von ca. einem Jahr! Alles in allem sind vielleicht 20 Leute mal mehr mal weniger an der Realisierung beteiligt gewesen, die ihrerseits knapp ein Jahr von der ersten Idee bis zur ersten Ausstellung gebraucht hat.

Im Januar/Februar 2010 begann ich das Konzept für IDEE zu entwerfen – ursprünglich war es als Erweiterung einer BIWAQ-Arbeitsgruppe für IDEE geplant. Nach und nach haben sich Änderungen ergeben, bis es schließlich ein autarkes Projekt – eine Zusammenarbeit von IDEE und mir daraus wurde. In der Zeit von März bis April 2010 hatte ich die ersten Texte verfasst, Zeit- und Finanzpläne aufgestellt – die Grundlage für etliche Förderanträge an öffentliche und private Stiftungen. Zwei Förderer konnten wir gewinnen – das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Stadt Dresden und die Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank gaben noch im Mai grünes Licht für finanzielle Unterstützung. Der größte erhoffte Posten blieb allerdings aus. Als wir den Ablehnungsbescheid bekamen, war es längst Sommer, viele Projekte am laufen – der rollende Zug nicht einfach aufzuhalten. Im August nahm ich mir die Zeit, die Pläne neu zu berechnen, an die neuen Zahlen anzupassen – eine neue Minimalvariante zu entwerfen. Leider war unser Finanzplan nun aber trotz Streichungen aller verzichtbaren Posten mit den eingeworbenen Geldern erst zu 60% gedeckt – und es sollte sich später auch herausstellen, dass ich nicht schlecht mit meiner Schätzung lag. Irgendwie schafft man es ja immer auch fast ohne Geld und irgendwie bleibt dann trotzdem auch immer etwas auf der Strecke. So habe ich gegrübelt. Mehrmals überlegt, mich eigentlich gegen die Durchführung entschieden … und dann wieder überlegt, da dies allgemein bedauert wurde. Schließlich habe ich alle „für“ und „wieder“ auf einer Vereinsversammlung zur Debatte gestellt – der Motivation auf den Zahn gefühlt. Die überwältigende Mehrheit bei IDEE war dafür dieses Projekt zu starten. Also gut, dachte ich – wagen wir’s. Schließlich war schon viel Energie geflossen und immerhin war ja ein Teil des Geldes auch da

Die Zweifel- und Umstellungsphase hat das Projekt zwei-drei Monate in Verzug gebracht, die auch bis zum Schluss blieben. Waren ursprünglich im September öffentliche Workshops geplant und im November eine Ausstellung, so verschoben sich die Workshops alles in allem erst auf November/Dezember und schlussendlich, wegen befürchteten Weihnachtswooling in den Januar und die Ausstellung auf Anfang Februar.

Es gab mehrere „Workshops“ – von mir so genannte öffentliche Zeichenaktionen in wechselnden Besetzungen der verschiedener Kulturschaffender. Unser Team umfasste: Christine Schiewe, die mir durch interessante Installationen und Zeichnungen in spielerischen, humorvollem Umgang mit Wort und Bild in Kombination mit Politik und sozialen Themen aufgefallen war. Roman Israel, den man in Dresden gut von Poetry-Slams kennt, der ironisch-phantastische Alltagspoesie schreibt, Milieugeschichten, die nicht selten an ähnlichen Orte wie Prohlis handeln. Grit Koalick, die so schnell und gut gegenständlich zeichnen kann, wie ich kaum jemand, den ich kenne. Passender Weise hat sich auch mal Architektur studiert, bereits ein Zeichenprojekt in Prohlis organisiert und schon an verschiedenen Unis gelehrt. Manuela Stein, Organisatorin von Querformat e.V., die sich bestens in Prohlis auskennt, einfühlsame Gespräche mit Menschen führen kann und auch Kreativitätstrainerin ist, eine die weiterhilft, wenn mensch stecken bleibt. Béla Kästner-Kubsch einer der tragenden Säulen von IDEE, Kommunikator, Motivator und Vernetzer sondersgleichen, kennt fast jede/n im Stadtteil und ist eine wichtige Brücke von innen und außen.

Wir hatten an verschiedenen Orten in Prohlis Position bezogen … zwei Mal waren wir in der lokalen Mall, dem „ProhlisZentrum“, einmal in der Städtischen Bibliothek, einmal im Sportcafé und natürlich bei IDEE. Es sind nur vereinzelt Leute extra für diese Workshops angereist. Die meisten Menschen haben wir angesprochen und versucht für unsere Sache zu gewinnen.

PROHLISZENTRUM 1 (Donnerstag, 13.1.2011)

Den ersten Termin bestritten wir im ProhlisZentrum. Ich habe das ganze Zeichenzeug, plus Flyerboard etc. mit der Straba nach Prohlis gefahren. Auf dem Weg fand ich fast schon die ersten beiden Teilnehmer, die es dann aber doch vorzogen, dem Experiment fern zu bleiben. Ich fiel Ihnen auf, weil ich soviel Kram dabei hatte, da haben sie mich angesprochen und wir haben die 40 min bis Prohlis ein wenig geplaudert.

Die Straba-Haltestelle ist wenige 100m von der Mall entfernt. Ich habe das ganze Zeug daher erstmal bei der Centerleitung untergestellt – bei Frau Gläser, der Mitarbeiterin von Herrn Albrecht, mit der ich schon öfter telefoniert hatte um diesen und andere Termine abzustimmen. Wir verabreden, dass der Hausmeister uns Aufsteller bringt, damit wir unsere Aktion im Obergeschoss bewerben können.

Anschließend Treffen bei IDEE. Lutz hatte Bierbänke für uns organisiert und die haben wir mit Basti, Uwe und Béla zum Zentrum gebracht. Roman war schon da und hat auf uns gewartet, Manuela kam gleich mit. Christine nicht viel später darauf. Der Aufbau hat dann doch länger gedauert, als gedacht. Wir bezogen unseren Stand; sortierten Stifte, Scheren, Zeitungen, Flyer, die Nähmaschine, die Reiseschreibmaschine und alles sonstige Material. Bélas Foto vom Pahlitzschhof auf dem IDEE-Flyer (Ticker) sollte sich die kommenden Tage als sehr beliebtes Sujet erweisen.

Während des Aufbaus zeigen sich schon mehrere Leute interessiert. Wir konnten als einen der ersten Teilnehmer einen älteren Mann motivieren, der nichts abgeben wollte, dies zu tun, in dem er „NICHTS“ auf eine der Karten schrieb. Allgemein waren unsere Versuche Leute anzusprechen, eher mühsam. Etliche konnten wir involvieren, viele aber auch nicht. Die häufigsten Absagen, die wir erhielten hier in einem informellen Ranking:

1.) keine Zeit

2.) ich wohne nicht in Prohlis

3.) ich bin krank

4.) nein, danke

Uns gegenüber hatte ein Mann seinen Stand, der Handarbeitserzeugnisse verkaufte. Bauteile von Räuchermännchen und Pyramiden waren ebenso im Angebot wir gehäkelte Puppenkleider und Topflappen. Seine anfängliche Skepsis wich einer amüsierten Beobachtung unseres Tuns . Wir boten ihm mit unseren Fragen und Aktivitäten offenbar eine willkommene Unterhaltung und Abwechslung. Schließlich fing er an sich mit mir zu unterhalten. Er erzählte mir, vor wem man sich in Acht nehmen müsse und wer okay ist, vor der Frau im Rollstuhl, dem Mann mit dem Fleck vorn auf der Hose usw. An seinem Stand, erzählt er, kann man einen ganzen Räuchermann zusammen finden, wer es schafft, darf die Teile behalten.

Am anderen Stand gegenüber wird Gemüse verkauft. Gleich während unserem Aufbau begrüßte uns (hauptsächlich Béla) – ein Mann mittleren Alters und asiatischen Aussehens laut und freundlich. Ich glaube, dass er der Geschäftsführer ist, schräg gegenüber befindet sich auch noch ein Asia-Imbiss und im Obergeschoss noch ein Blumenladen, die alle zusammengehören. Die meisten Leute, die hier arbeiten sind, denke ich, Vietnamesen. Für das Einräumen des Gemüses am Abend beschäftigen sie einen deutsches Paar, einen Mann und eine Frau. Wir versuchen die Verkäuferin des Standes zu überzeugen, ein Bild abzugeben. Sie lächelt abweisend, ich bitte sie wenigstens die Karte zu behalten und zu überlegen. Widerwillig nimmt sie die Karte. Auch sie beobachtet hin und wieder unsere Aktivitäten.

Beim Friseur und im Elektroladen frage ich auch, aber man nimmt man wenig Notiz von uns.

An unsrem Stand fließen hauptsächlich zwei Ströme entlang – zum EDEKA hin und von ihm weg. Wir stellen Theorien auf, wann es besser ist, die Leute zu fragen – vor oder nach den Einkauf? Immer wieder gelingt es uns ein paar Leute aus ihrem Alltag zu holen und sich zu beteiligen. Wir fragen häufig „Haben sie Lust Ihr Bild von Prohlis abzugeben?“. Man merkt schon oft an der Körpersprache, ob man wen überzeugen kann oder nicht. Es scheint schwer zu sein, uns von den gewöhnlichen Werbern zu trennen. Obwohl der Mann vom Stand gegenüber findet, wir sähen schon aus, als ob „man bei uns was basteln könne“. Tatsächlich interessieren sich immer wieder Kinder für unsren Stand, aber Ihre Eltern nicht. Mehrmals passiert es uns, dass die Eltern ihre Kinder weiterziehen, obwohl wir immer sagen, dass alles kostenlos ist und sie ja in der Zwischenzeit einkaufen können. Adina ärgert sich einmal sehr über einen Vater mit seiner Tochter, wo genau das passiert. Das Mädchen dreht sich noch mehrmals zu uns um.

Einer der Menschen, die sich beteiligt haben, war ein Mann von Mitte Vierzig. Er hat uns eine Geschichte abgeben, die wir sehr rührend fanden. Manuela hat sich lange mit ihm unterhalten. Er hat von seiner Heimat geschrieben, die auch Mauern und Zäune hatte, davon dass er Grenzsoldat war, seitdem manche Freunde nichts mehr von ihm wissen wollen, obwohl er doch drei Menschen das Leben gerettet hat, in dem er in die Luft geschossen hat und dafür in den Knast gegangen ist.

Alle entstanden Karten kommen in einen selbstgebauten Ständer, den ich für diesen Zweck mitgebracht habe. Ich hatte ihn ursprünglich für eine Aktion 2006/7 im Max-Planck-Institut gebaut. Er fällt fast in jeder Architektur durch seine DIY-Ästhetik auf.

Der erste Tag war anstrengend. Ich fühlte mich wie ein Filter, den eine ganzer Bach durchflutet hat und in dem nun allerlei hängen geblieben ist. Ich bin stolz auf unsere ersten Workshop-Karten, auch auf die, die bei IDEE per Post eingegangen sind!

Bibliothek (Montag, 17.1.2011)

Ich bin gespannt auf diesen Termin. Der Kontakt mit Frau Zielke, der Bibliotheksleiterin war sehr nett. Sie hat schnell zugesagt, dass wir unsere Aktion in der Prohliser Filiale stattfinden lassen dürfen.

Ich treffe Grit vor der IDEE suchend mit Fahrrad. Wir gehen gemeinsam zur Bibliothek, mit dem Anhänger mit allem Kram drin – durchs Prohliszentrum. Wir bleiben fast mit dem Fahrstuhl zur Bibliothek, die im ersten Stock liegt, stecken. In den Räumen angekommen, werden wir freundlich von den Bibliothekarinnen begrüßt. Wir dürfen unsere Sachen in ihre Personalräume bringen und uns den Standort für unseren Zeichenstand aussuchen. Es gibt runde Tische und riesiges Plastemobiliar. Roman kommt, er ist extra aus Leipzig für die Aktion angereist!

Es ist eine entspannte Stimmung. Die Leute sind weniger skeptisch hier, freundlicher und es machen auch mehr mit. Eltern nehmen sich Zeit, dass ihre Sprösslinge ein paar Minuten bei uns etwas zeichnen können. Die Kinder interessieren sich für die verschiedenen Stifte. Etliche kommen auch allein in die Bibliothek. Ein Mädchen bleibt lang und zeichnet mehrere Karten, ein paar nimmt sie auch mit. Ebenso zwei Schwestern in pink. Die beiden sind mit einem dritten größeren Mädchen hier. Sie sprechen nicht und schauen skeptisch, setzen sich aber doch und zeichnen. Die eine nimmt eine Karte, die Grit gezeichnet hat und beginnt die mit Fineliner gezeichneten Hochhäuser u.a. mit schwarzem Filzstift „auszumalen“. Ihre Schwester zeichnet ein buntes Bild mit einem Mädchenkopf in der Mitte. Irgendwann höre ich leise ein russisches Wort. Grit und ich versuchen uns mit ihnen zu unterhalten – auf Russisch. Wir sagen beide „Minja sawut Grit.“ Die Mädchen lachen. Grit versucht noch auf Russisch zu sagen, dass wir wirklich beide Grit heißen. Schweigen kann so viele Gründe haben. Wie sie heißen, erfahren wir nicht, sie lachen weiter. Ihre Schwester drängt die beiden zum gehen. Leider nimmt auch das eine Mädchen sein ausgemaltes Bild mit. Es sah interessant aus.

In der Bibliothek waren viele Kinder und Jugendliche bei uns. Den meisten fällt etwas ein, wenn sie eine Weile überlegen. Ein Mädchen möchte zeichnen, aber es fällt ihr nicht so recht etwas ein. Sie möchte lieber etwas ausmalen. Grit zeichnet auf ihren Wunsch hin eine Prinzessin, die Prohlisprinzessin, mit Frosch. Das Mädchen malt sie aus: in pink und rot mit ausladenden Strichen!

Fast gegen Ende kommt Konrad und macht ein paar Aufnahmen, wie auch im Prohliszentrum – zur Dokumentation. Es ist aber schwierig zu filmen, wenn man Leute nicht belästigen möchte. Die Kamera ist von IDEE, gehört zum Studio. Kurz vor sechs holt uns Béla ab und nimmt die Sachen mit zurück zu IDEE.

Malertreff (Dienstag, 18.1.2011)

Den Maltreff gibt es bei IDEE seit 2008 in ähnlicher Zusammensetzung, wie er jetzt ist. Es ist ein offener Treffpunkt für Leute, die gern malen und zeichnen, jeden Dienstag von 17-19 Uhr. Mittlererweile organisiert sich die Gruppe selbst. Sie bringen sich gegenseitig Techniken bei und besprechen ihre Bilder.

Heute sind Monika, Billy und Anita da. Leider kein Besucher von außerhalb. Ralf hat keine Zeit, Biggi hat sich den Arm gebrochen. Rosita macht leider nicht mehr mit. Wir machen gemeinsam Collagen und es kommt einiges zusammen. Es ist gute Stimmung und schöne Exemplare entstehen. Es herrscht allgemeine Überraschung, das die Ressonanz auf das Postkartenprojekt so gut ist. Mittlererweile sind ca. 200 Karten zusammengekommen.

Sportcafé (Samstag, 22.1.2011

Der „Workshop“ ist gegen 16 Uhr im Sportcafé angekündigt. Ich hole Béla gegen 15:30 Uhr bei IDEE ab. Wir fahren wieder mit Handwagen zum ProhlisZentrum, wo sich auch das Sportcafé befindet.

Es macht nicht den Anschein, als ob viele auf uns warten. Grit kommt etwas später. Christine ist leider krank geworden – Grippe. Béla will nur kurz bleiben, etwas trinken und dann wieder gehen. Er bleibt den ganzen Abend .

Wir sprechen die Leute im Café an. Zwei Frauen geben ganz zu Beginn eine Karte ab, in dem Prohlis als das „Armenviertel“ von Dresden bezeichnet wird. Eine Frau am Tresen, steckt uns eine Karte zu, auf der steht, das Prohlis offen für alle Menschen ist. Sie erzählt mir das sie noch nicht lange eine Frau ist. Grit zeichnet zwei Leute am Tresen dazu. Ein Mann sagt, er könne nichts abgeben, er sei seit Jahren depressiv. Die Leute beobachten unseren Tisch, er steht voll mit Kaffee (später auch Bier) und Zeichenutensilien. Nach einer Weile fängt Basti an zu zeichnen, er setzt sich an den Tisch neben uns und arbeitet über eine Stunde an einen Blick auf den Billardtisch von oben, auf dem steht: „Die Zukunft ist weiss“. Für Verena skizziere ich eine Kreuzung , sie ergänzt eine ganze Landschaft! Basti und Uwe zeichnen später noch eine Karte gemeinsam. Gegen Abend, als der Workshop schon fast zu Ende ist, bekommen wir immer mehr Karten von Leuten. Je länger wir bleiben, umso mehr scheinen uns die Leute zu akzeptieren. Man kommt auch besser ins Gespräch, als im Einkaufzentrum. Gegen 22:30 Uhr verlassen wir das Lokal und unsere Runde löst sich langsam auf.

Teppichfreund (Dienstag, 25.1.2011)

Wir haben alle eingeladen, ihr Bild abzugeben. So auch diejenigen, die viele Leute nicht im Stadtbild sehen wollen und die „die Trinker“ genannt werden. Sie stehen meist am „Teppichfreund“ einem Geschäft für Auslegware und Raumdeko. Ich war mit Béla und einem Sozialarbeiter um 13 Uhr verabredet, diesen Ort aufzusuchen – mit Stiften, Papier und einer Taschenversion unserer üblichen Materialien.

Als wir vor Ort ankommen staunen wir: Es wurde ein meterhoher Stahlzaun um das Gebäude gezogen, so dass man sich nicht mehr unter das kleine Vordach stellen kann. Niemand steht also mehr dort! Auch die Bänke wurden alle abgeflext.

Nach dieser schockierenden Neuigkeit, doch noch eine positive Nachricht. Jemand ruft erst IDEE, dann mich an – er hat unsren Aufruf gesehen und möchte uns Postkarten, die er produziert hat übergeben. Wir verabreden uns spontan im Sportcafé auf einen Kakao. Er zeigt uns seine Bilder. Beeindruckend! Er erzählt uns, dass er Restauration studiert hat. Béla und ich bekommen jeder eine Karte geschenkt. Wir sagen, dass wir für das Postkartenprojekt Prohlis als Anlass schon gut fänden, wenn er ein Prohliser Motiv direkt, als Original auf eine der Karten bringen könnte. Der Maler verspricht, die Tage ein paar Skizzen zu machen und uns vorbeizubringen.

Zum Schluss bietet er uns noch Farbe an – für das Präsentationssystem, welches schon in Planung ist; In seinem Keller und in seiner Plattenbauwohnung steht alles voller Bilder, Leinwänden und Farben. Er besteht darauf uns drei Dosen Acryllack, mit dem er sonst auch malt, zu schenken.

Prohliszentrum (Mittwoch, 26.1.2011)

Ich war den ganzen Tag schon bei IDEE. Mit Heiko und Basti zusammen, bauen wir das Präsentationssystem. Drei Ständer, nach meinem Entwurf mit jeweils zwei Seiten, quasi Regalen, die jeweils knapp 60 Postkarten tragen können. Sie bestehen aus Sperrholz und Dachlatten. Sind vergleichsweise leicht und preiswert. Ich hatte mir schon bei der ersten Besichtigung vorgenommen, mich an die Architektur des vietnamesischen Gemüsestandes anzunähern. Herr Albrecht hatte sich damals reichlich über diese Idee gewundert.

Heiko ist relativ spontan eingesprungen, mir beim Bauen zu helfen – Béla hat ihn danach gefragt. Eigentlich wollte er den Dachboden aufräumen. Ich bin froh mit Basti und ihm zwei so gute Bauhelfer zu haben. Allein zu bauen hätte mir einigermaßen Schwierigkeiten bereitet, wäre ziemlich stressig geworden.

Die Baumaterialien hatte ich die Tage zuvor bestellt. Leider wurden heute die falschen Hölzer geliefert, die zwar viel wertvoller als unsere billigen Dachlatten waren, nur nicht verwendbar für unsere Zwecke. Die Firma hat sich allerdings beeilt, ihre Lieferung gleich noch am gleichen Tage zu korrigieren. Daraufhin konnte der Bau doch noch beginnen. Heiko übernimmt schlussendlich hauptverantwortlich das Bauen. Ich muss auch gegen Nachmittag ins ProhlisZentrum – der letzte unserer Workshops findet heute statt.

Anwesend sind: Grit und Roman – Christine leider noch immer krank. Wir sind etwas routinierter geworden. Lassen uns weniger von Absagen abschrecken. Bei mir stellt sich das Gefühl ein, dass mehr Menschen mitmachen, als noch am Anfang. Jemand sagt, es läge an den Zeitungsartikeln,

die in der lokalen Presse waren. Wir bekommen eine ganze Reihe Postkarten mit Fotos – von Konrads Eltern, die ja auch in Prohlis wohnen. Es fällt auf, dass wenige Menschen zeichnen möchten. Wenn dann schreiben die meisten. Ein paar Ausnahmen gibt es doch: Verrückte, Kinder, Künstler und andere Kreative, sowie Analphabeten. Alle im ProhlisZentrum vertreten.

Überraschend kommt noch ein Filmer von der Kulturstiftung der Dresdner Bank vorbei und filmt unsere Aktion. Béla und ich sollen spontan vor der Kamera erklären, was es mit dieser Aktion auf sich hat. Mir brummt etwas der Kopf, ich muss auch nochmal ansetzen mit meiner Erklärung. Béla ist so überzeugend wie immer.

Die Belegschaft der Händler im ProhlisZentrum ist wechselnd, abgesehen vom Gemüsestand, der immer da ist. Weiter vorn hat heute jemand einen Stand mit Kleinkram aufgebaut. Auch er kommt ab und zu schauen, was wir tun. Er erzählt nach einer Weile von Kleinkriminellen und Dealern, die er beobachtet. Eine Karte will er aber nicht abgeben.

Grit wundert sich darüber, dass auch Kinder keine Zeit haben und Roman dokumentiert, wie schon manchmal die Aussagen der Passanten. Er mischt ein paar Fake-Karten unter.

Bauaktion

Die kommenden Tage bauen Heiko, Basti und ich noch die zwei restlichen Ständer fertig – es läuft bis auf eine Raumdoppelbelegung (Lutz möchte einen Tag vorher für das anstehende Konzert aufbauen) gut. Es gibt auch jeden Mittag Essen, was Sven für alle bei IDEE Arbeitenden kocht.

Am Samstag haben wir alles transportreif vorbereitet, dass wir am Montag die Sachen mit einem Einkaufswagen die wenigen Hundert Meter in die Mall bringen können.

Aufbau

Wie geplant packen wir die Sachen um auf einen Baumarkt-Einkaufswagen und schieben selbigen ins Einkaufszentrum. Zu Dritt laden wir die Sachen ab und schrauben die Ständer zusammen.

Basti und ich sortieren die Original-Postkarten zu den in halber Größe reproduzierten Exemplaren – nicht leicht bei rund 300 Postkarten.Heiko verteilt parallel dazu die Karten auf die Ständer. Kaum haben wir angefangen, schon kommen die ersten Schaulustigen und beginnen die Grafiken zu studieren. Sie lassen sich durch unser Gewusel kaum stören.

Wir schaffen es kaum fertig zu werden, da sind auch schon zwei Pressevertreter da. Sie stellen schnelle Fragen und einer macht noch schneller und ziemlich genervt ein Foto. Der andere schaut sich aber eingehend die Ausstellung an. Er wird später einen nicht sehr tiefgreifenden,aber okayen Artikel schreiben – leider mit einem blöden Foto von Béla und mir. Blöd ist es, weil es sichtlich gestellt und eine Kinderpostkarte groß zu sehen ist – es ging eben nicht NUR im Kinderbilder.

Es gibt Sekt zur Eröffnung und Wasser und Saft – und viel Laufpublikum. Nur wenige sind extra zur Eröffnung gekommen.Es war leider auch ziemlich falsch angekündigt, in der Presse. Die meisten kennen uns. Trotzallen sind aber dann doch viele Menschen da gewesen, etliche auch, die bei unseren Workshops mitgemacht haben kamen vorbei um zusehen, was aus der Aktion geworden ist.

Eine sehr schöne Begebenheit war auch, dass sich ein Mann,der schlecht sprechen konnte zu uns verirrte und sich eingehend die Bilder anschaute. Wir boten ihm Sekt an, den er mit sichtlicher Freude nahm. Wir fragten ihn, ob er nicht auch etwas zeichnen wolle. Er sagte, er müsse erst überlegen und würde lieber die Karten mit nach Hause nehmen.Dabei blinzelte er fortwährend mit seinen Äuglein.

(Bitte haben Sie Geduld, es geht bald weiter …)

Ausstellung

Finissage

Zu Gast in der UdN

Ringen um die zweite Ausstellung

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